Was ist notwendig an Vernetzung, Zusammenarbeit, strukturellen und finanziellen Bedingungen, um schwer kranke und sterbenden Menschen zu Hause gut betreuen und begleiten zu können?

Diese spannende Frage stand im Zentrum der von allen teilnehmenden Trägern und Hospiz Österreich gemeinsam veranstalteten Tagung des Projekts HPC Mobil - Hospizkultur und Palliative Care in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause, die am 23.11.2016 im Jufa City Hotel Simmering/Wien stattfand. Christiane Krainz vom Landesverband Hospiz NÖ und Ralph Grossmann moderierten schwungvoll durch den dichten und spannenden Tag.

Circa 80 Mitarbeiter/innen aus Arbeiter-Samariter-Bund Wien, Caritas der ED Wien, Caritas Socialis, Sozial Global AG und Volkshilfe von der Geschäftsführung über operative Führungskräfte bis zu TrainerInnen der Workshops Palliative Care und Palliativbeauftragten aus dem Projekt überlegten, diskutierten und entwickelten das Thema in Bezug auf die eigene Organisation und das Gesamte weiter.

Nach der Begrüßung durch Waltraud Klasnic, Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich und - gemeinsam mit Fr. Dr.in Elisabeth Pittermann - Präsidentin des Hospiz- und Palliativforums, nannten die Projektleitungs-Zweierteams jeder teilnehmenden Organisation die bisherigen Highlights im seit Juni 2015 laufenden Projekt. Selma Sprajcer, NPO Institut der WU Wien, die das Projekt evaluierend begleitet, berichtete vom Stand der Evaluierung, Projektleiterin Sigrid Beyer, Dachverband Hospiz Österreich, skizzierte in einem Statement einige Stärken des Projekts: z.B. dass fünf Träger gemeinsam am Weg sind und sich sehr aktiv an der Entwicklung, wie z.B. der "Ziele, Leistungen und Indikatoren", beteiligen; dass durch die Steuergruppe, die Entwicklungsgruppe und die Teilnahme der Projektleitungsduos an der TrainerInnenausbildung die Führungsebenen aller Organisationen sehr gut eingebunden sind; dass die Führungsebene das Thema trägt und die Umsetzung fördert, dass es sehr gut ausgewählte und engagierte TrainerInnen aus den Organisationen selber gibt, die, ausgebildet nach dem eigens entwickelten Curriculum HPC Mobil, bis zu 80% aller Mitarbeiterinnen schulen. Dass sich durch den begleitenden Organisationsentwicklungsprozess, moderiert von Ralph Grossmann, Haltung und Strukturen in den Organisationen entwickeln können, wie z.B. Palliativbeauftragte und Palliativgruppen. Dass die Vernetzung sehr gut funktioniert, gegenseitiges Vertrauen da ist und eine unglaubliche Motivation bei allen Beteiligten alles gut vorwärts bringt.

Die Workshops am Vormittag erlaubten eine Vertiefung zum Thema. Die Geschäftsführungen und VertreterInnen aus dem niedergelassenen Bereich, dem Krankenhaus und der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung und dem Beirat HPC in der Grundversorgung diskutierten die Chancen und Hindernisse in der Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen zu Hause. Bei den TrainerInnen HPC Mobil war gemeinsam mit Sonja Thalinger und Karin Böck Austausch und Reflexion angesagt, und die operativen Führungskräfte setzten sich mit ihrer sehr wesentlichen Rolle in der Unterstützung des Projekts im Berufsalltag auseinander.

Der Nachmittag legte den Schwerpunkt auf das Gelingen, wie die Schnittstellen zu Nahtstellen werden können. Nach einem Impulsvortrag von Ralph Grossmann, der u.a. darauf hinwies, dass Konkurrenz und Kooperation einander nicht ausschließen, diskutierten die Anwesenden am Podiumstisch und den TeilnehmerInnentischen die verschiedenen Themen.

Besonderen Anklang fand die Idee einer vernetzten Struktur auf "Grätzl"-Ebene, v.a. im Blick auf die Zusammenarbeit mit HausärztInnen und anderen mobilen Diensten. Hier wurde auch auf die Pflegeorganisation Buurtzorg in den Niederlanden hingewiesen. Diskutiert wurde auch die spezielle Struktur in Wien und das neu eingeführte Monitoringsystem.

Monika Wild, Robert Oberndorfer und Karl Bitschnau vom Podiumstisch machten in drei abschließenden Statements sehr deutlich, dass das Projekt HPC Mobil sehr viel Positives bewirkt, dass es aber bei der Umsetzung von HPC Mobil noch beachtliche Hürden gibt, die viel Kooperation und Kommunikation nach allen Seiten hin brauchen werden, will man sterbende und schwerkranke Menschen zu Hause gut betreuen.

Waltraud Klasnic fasste den Tag in ihrem beeindruckenden Schlusswort zusammen: "Ambulant vor stationär" wird oft gesagt, im Moment jedoch noch nicht so gelebt, wie es notwendig wäre. Es braucht Freiräume und Flexibilität für die Betreuenden, wenn es um schwer kranke und sterbende Menschen geht, eine Abrechnung im Minutentakt macht hier Vieles unmöglich. Und es braucht nicht nur Zeit für die PatientInnen, sondern auch für die Angehörigen und für die Kommunikation und Kooperation mit den anderen mobilen Diensten, denn nur so kann miteinander abgestimmt gearbeitet werden, nur so wird ein würdevolles Sterben zuhause möglich gemacht. Waltraud Klasnic zeigte sich beeindruckt, was bisher im Rahmen des Projektes passiert ist und wünschte das Allerbeste für die kommenden eineinhalb Jahre.

Impressionen der Fachtagung

Wir danken dem Fonds Gesundes Österreich für die Ermöglichung und Förderung des Pilotprojekts HPC Mobil!