Der Dachverband Hospiz Österreich tritt seit der Gründung im Jahr 1993 dafür ein, dass die Hospiz- und Palliativversorgung bundesweit flächendeckend und bedarfsdeckend umgesetzt wird und unabhängig vom Alter für alle Menschen, die sie brauchen, erreichbar, zugänglich und leistbar ist - in guter Qualität.

Anlässlich des Internationalen Hospiz- und Palliative Care Tags am 8. Oktober stellen wir den Datenbericht 2015 zur Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich vor. Die vorliegende Broschüre bildet den Stand der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung von Erwachsenen mit 31.12.2015 ab.

Österreichweit gesehen ist die spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung für Erwachsene (siehe Fussnote) etwa zur Hälfte gewährleistet. In einzelnen Bundesländern kann das nach unten und oben abweichen, da Österreichs föderale Struktur unterschiedliche Entwicklungen mit verschiedenen Finanzierungsvarianten hervorgebracht hat. Einzig bei Palliativstationen ist österreichweit die Regelfinanzierung gewährleistet.

Die Hospiz- und Palliativversorgung ist im österreichischen Gesundheits- und Sozialwesen noch nicht ausreichend verankert. Wesentliche Voraussetzungen dafür, dass eine dem Bedarf und den Bedürfnissen der Betroffenen entsprechende Hospiz- und Palliativversorgung etabliert werden kann, fehlen noch bzw. müssen umgesetzt werden:
  1. Verankerung eines Rechtsanspruches auf Betreuung durch Hospiz- und Palliativeinrichtungen für schwerkranke und sterbende Menschen
  2. Österreichweite Klärung der Zuständigkeiten für die Umsetzung und die Finanzierung der Hospiz- und Palliativeinrichtungen
  3. Einigung auf eine Finanzierungslösung und Einführung einer österreichweit gesicherten Regelfinanzierung für alle Angebote der abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche
  4. Die umfassende Integration von Hospizkultur und Palliative Care in die Grundversorgung: Senioren- und Pflegeeinrichtungen, Tageseinrichtungen, Mobile Betreuung und Pflege zu Hause, Krankenhäuser, Einrichtungen für Kinder- und Jugendheilkunde und Versorgungseinrichtungen für Menschen mit Behinderung muss forciert werden.
  5. Schaffung eines Facharztes/einer Fachärztin für Palliativmedizin, um die langfristige Qualität in der palliativmedizinischen Versorgung zu ermöglichen und zu sichern.
  6. Alle an der Betreuung beteiligten Ehrenamtlichen und Berufsgruppen sind interprofessionell zu qualifizieren.
  7. Die Unterstützungsangebote für pflegende und trauernde Angehörige müssen erweitert und zusätzliche Angebote geschaffen werden.

Im Frühjahr 2016 hat sich im Auftrag der Bundesregierung unter dem Präsidium von Waltraud Klasnic, Präsidentin Dachverband Hospiz Österreich, und Dr.in Elisabeth Pittermann-Höcker das Hospiz- und Palliativforum konstituiert. Diesem Forum gehören alle für die Hospiz- und Palliativversorgung relevanten Entscheidungsträger auf Bundesebene und VertreterInnen des Dachverbands Hospiz Österreich und der Österreichischen Palliativgesellschaft an. Ziele und Auftrag an das Forum sind insbesondere
  1. Förderung der Zusammenarbeit sowie Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den spezialisierten Hospiz- und Palliativeinrichtungen und den bestehenden Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen;
  2. Prüfung der Validität der für die Umsetzung eines Hospiz- und Palliativ Care Stufenplanes entsprechend der Empfehlungen genannten finanziellen Mittel und Aktualisierung der Kostenschätzungen;
  3. Förderung der koordinierten Einbindung von Ehrenamtlichen in die Hospiz- und Palliativbetreuung;
  4. Mitarbeit bei der Entwicklung einer Regelfinanzierung für Hospiz- und Palliativeinrichtungen.
Mit der Einrichtung dieses Forum folgt die Bundesregierung einem der zentralen Punkte aus den 51 Empfehlungen der Parlamentarischen Enquete-Kommission "Würde am Ende des Lebens", die vom Nationalrat am 26.3.2015 einstimmig angenommen wurden. Zum ersten Mal seit Beginn der Hospiz- und Palliativarbeit in Österreich wurde ein Forum mit entsprechender Besetzung im Auftrag der Bundesregierung eingerichtet. Die Chancen stehen also gut, dass in den kommenden Jahren Lösungen für die dringlichsten Fragen, nämlich Zuständigkeit und Finanzierung, gefunden und umgesetzt werden.


Seit 2015 wird vom Dachverband Hospiz Österreich die Datenerhebung auch bei Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie ihre Familien durchgeführt. Da dieser Versorgungsbereich und damit auch die Datenerhebung im Aufbau sind, gibt es erst wenige Daten.